logo

bmas

um

brandenburg

eu

lasa

Diese Seite wird von folgenden Browsern unterstützt:

firefox ie
opera

«««zurück


Eine Brücke aus der Isolation ins Leben 24.09.2004 Uckermark (MOZ)

Von Daniela Windolff

Mit speziellen Trainingskursen sollen im Land Brandenburg Langzeitarbeitslose fit gemacht werden, um in der Arbeitswelt wieder Fuß fassen zu können. Das landesweite Programm "Kurssystem kontra Langzeitarbeitslosigkeit" gewinnt im Hinblick auf die Reformierung des Sozialsystems durch Hartz IV enorme Bedeutung. Arbeitsfördergesellschaften wie die MAQT haben sich rechtzeitig darauf eingestellt. Bewerbungen, Absagen, zwischendurch ABM, wieder Bewerbung, wieder Absagen, Umschulung, Bewerbung, Absagen und immer nur warten, warten. Die Hoffnung ist längst gestorben. Für rund 17 000 Langzeitarbeitslose im Bereich der Agentur für Arbeit Eberswalde sieht der Alltag seit vielen Jahren so oder so ähnlich aus. Die Chancen, wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt zu werden, schwinden mit jedem Jahr Arbeitslosigkeit. Resignation ist oft die Folge. Mit Hartz IV steigt der Druck, aber auch die Chance, wieder in Beschäftigung zu gelangen. Doch der Schritt aus der Wohnungstür ins Personalbüro fällt vielen sehr schwer. Sie haben nicht selten verlernt, worauf es ankommt. Die Märkische Ausbildungsgesellschaft, Qualifizierungs- und Trainingszentrum MAQT hat spezielle Kurse zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen aufgelegt. In den Trainingszentren in Schwedt und in Prenzlau können sich Betroffene drei Monate lang fit machen für die Arbeitssuche. "Unsere Kurse sind keine Fortbildung, sondern eher Informationsveranstaltungen, bei denen die Teilnehmer ihre individuelle Eignung feststellen, Ausbildungs- und Berufswege kennen lernen, Fördermöglichkeiten, Bewerbungstraining absolvieren, in Praktika vermittelt oder auch über aktuelle arbeitsmarktpolitische Veränderungen informiert werden", erklärt Anja Luy, die in der MAQT das Kurssystem für Langzeitarbeitslose koordiniert. Von individuellen Beratungsgesprächen über bewerbungstypische Tests bis hin zum PC- und Internet-Training reicht das Spektrum, das die Teilnehmer in den Kursen absolvieren. Vermittelt werden sie vom Arbeitsamt in enger Zusammenarbeit mit den Sozialämtern. Auch direkte Bewerbungen sind möglich. Dafür hält die MAQT immer eine begrenzte Zahl von Plätzen frei. In Schwedt laufen derzeit zwei Kurse mit insgesamt 36 Teilnehmern aus der gesamten Region Angermünde und Schwedt, in Prenzlau läuft ein Kurs mit 18 Teilnehmern. So verschieden die Schicksale, so verschieden wird auch der Kurs auf die Teilnehmer zugeschnitten. Der eine will Recherche im Internet lernen und alles über eine Ich-AG erfahren, der andere muss erst einmal telefonieren lernen. So gehört ein junger System-Elektroniker zum Kurs, der keinen Führerschein hat und somit nicht flexibel genug für den Arbeitsmarkt ist. Aber auch der Mann Ende vierzig mit Siebenklassenabschluss, der als Klauenpfleger heute keinen Job mehr findet. "Bei der Auswahl schauen wir, wem so ein Kurs nutzt. Er soll keine Auffanginstitution sein, sondern Anschub geben, Eigeninitiative fördern, das Selbstwertgefühl stärken, das bei Langzeitarbeitslosen sehr stark leidet, den Menschen an seinen Stärken packen, statt zu zeigen, was er alles nicht kann, Hemmungen und auch Unwissenheit abbauen, um sich erfolgreicher bewerben oder qualifizieren zu können", erklärt Anja Luy. Zur realistischen Selbsteinschätzung gehört auch, die Realität auf dem Arbeitsmarkt wahrzunehmen. "Wenn ein Maurer hier einen Stundenlohn von 15 Euro erwartet, ist das schlicht utopisch. Mit solchen Erwartungen wird er nie einen Job bekommen", schildert Anja Luy Beispiele. Zu den Kurskomplexen im Trainingszentrum kommen Phasen für Praktika und selbstständige Aufgaben. "Das kann zum Beispiel der Auftrag sein, alle Landwirtschaftsunternehmen im Umkreis zu erkunden und sechs davon aufzusuchen." Für die Betroffenen, die oft aus sozial schwierigem Umfeld kommen, sind die Kursleiter nicht nur Anleiter, sondern oft auch "Puffer" zwischen Amt und Mensch, eine Brücke aus der Isolation ins Leben.

Eine Brücke aus der Isolation ins Leben

printfooder